BBS Kraftfahrzeugtechnik

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 BBS-Felge an einem Porsche 911 GT3 Cup

Das Unternehmen BBS Kraftfahrzeugtechnik AG mit Hauptsitz in Schiltach war ein Hersteller von hochwertigen Leichtmetallrädern. Verwendet werden BBS-Räder hauptsächlich beim Tuning von Straßenfahrzeugen und im Motorsport, unter anderem bei der Formel 1, außerdem gewann der Erstausrüsteranteil in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung. BBS beschäftigte zuletzt insgesamt etwa 1.200 Mitarbeiter (davon rund 650 festangestellte und 180 freie Mitarbeiter in Deutschland an den Standorten Schiltach-Hinterlehengericht und Herbolzheim). Der Konzernumsatz lag 2005 bei 189,8 Millionen Euro bei einem Verlust von 1,7 Millionen Euro. Am 2. Februar 2007 stellte das Unternehmen wegen akuten Liquiditätsmangels einen Insolvenzantrag, teilte dies aber erst am 6. Februar der Öffentlichkeit mit. Am 1. August 2007 wurden die beiden Fabriken der BBS Kraftfahrzeugtechnik AG, das Motorsportdepartment BBS Motorsport & Engineering GmbH, die BBS-Tochtergesellschaft in Nordamerika sowie die Markenrechte an die belgische Industrieholding Punch International NV verkauft. Am 6. August eröffnete das Unternehmen den Geschäftsbetrieb der aus den alten Unternehmensteilen entstandenen neuen BBS International GmbH.[1] Im August 2008 wurde bekannt, dass das Schiltacher Stammwerk im Jahr 2011 geschlossen und die Produktion bis dahin komplett nach Herbolzheim verlagert werden soll. Im Sommer 2009 verkaufte Punch BBS an den Punch-Mehrheitseigner Creacorp NV, behielt aber die Markenrechte.[2] Hauptgesellschafter der BBS International GmbH ist seit Juli 2009 die zu Creacorp gehörende belgische BBS Holding SA.
Geschichte
1970 wurde von Heinrich Baumgartner und Klaus Brand BBS (Kurzform für Baumgartner Brand Schiltach) als Hersteller von Karosserieteilen aus Kunststoff gegründet. Zwei Jahre später produzierte BBS die ersten dreiteiligen Rennfelgen. Im Jahr 1976 entstand die erste Auslandstochtergesellschaft in Frankreich, später kamen weitere in Japan, USA, Italien, Niederlande, Spanien und ein Joint Venture in China hinzu. Die erste Serienfahrzeugfelge 1983 fand großen Absatz. 1987 folgte der Börsengang des stark wachsenden Unternehmens und eine weitere Internationalisierung. Vor allem im Rennsportbereich gab es viele Neuentwicklungen.
Im August 2006 erklärte die Unternehmensleitung, man müsse wegen des stark gestiegenen Aluminiumpreises einen großen Gewinnrückgang verkraften. Einer Gewinnwarnung vom 17. Januar 2007 zufolge, war 2006 trotz eines auf etwa 200 Millionen Euro gestiegenen Umsatzes der Fehlbetrag „über den einstelligen Millionenbetrag“ des Jahres 2005 hinausgegangen. Kurz darauf wurde ein Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrates angekündigt: Der frühere baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) sollte Hans-Peter Hirner ablösen. Am 6. Februar 2007 gab das Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit bekannt. Nach Unternehmensangaben war noch in der vorangegangenen Nacht vergeblich versucht worden, eine „Auffanglösung“ mit Hilfe von Großkunden und Banken zu finden. Bereits in der Vorwoche hatte sich die US-Investmentbank Morgan Stanley, die Kreditforderungen an BBS von der Volksbank Kinzigtal aufgekauft hatte, aus der Rettungsaktion zurückgezogen. Weil - so eine Unternehmensmitteilung - „die Gesellschaft in ernsthafte Liquiditätsschwierigkeiten geraten war und das Ende der Antragsfrist nach Paragraf 92 des Aktiengesetzes vor dem Ablauf stand“, sei schon am 2. Februar 2007 ein Insolvenzantrag gestellt worden.
Am 7. Februar 2007 wurde die Heidelberger Kanzlei von Jobst Wellensiek vom Amtsgericht Rottweil mit der vorläufigen Insolvenzverwaltung beauftragt. Die Produktion lief unterdessen weiter; nach Angaben des Insolvenzverwalters sei die Liquidität noch in derselben Woche wiederhergestellt worden. Am 8. Februar 2007 teilte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn mit, dass sie wegen der erst nach vier Tagen erfolgten Veröffentlichung des Insolvenzantrages überprüfe, ob das Unternehmen gegen die Ad-hoc-Publizitätspflicht des Aktienrechts verstoßen hat. Außerdem werde routinemäßig überprüft, ob es vor der offiziellen Meldung Insidergeschäfte gegeben hat.
Im März 2007 teilte Insolvenzverwalter Wellensiek mit, dass es bereits mehr als 30 Kaufinteressenten für die Firma gebe. Anfang April erklärte er, dass mit den wichtigsten Auftraggebern Vereinbarungen über einen Fortbestand der Geschäftsbeziehungen erzielt worden seien und die Produktion in vollem Umfang weiterlaufe.
BBS International GmbH [Bearbeiten]
Am 6. August 2007 eröffnete Punch International NV nach eigenen Angaben den Geschäftsbetrieb der BBS International GmbH. Dabei wurde mitgeteilt, dass die Standorte in Deutschland erhalten blieben. Man werde sich künftig wieder verstärkt dem profitablen Premiumsegment widmen und deshalb nicht mehr die komplette Produktpalette fortführen, die in den vergangenen Jahren ins mittlere Preissegment mit geringeren Margen hinein erweitert worden war. Nach Informationen des Südwestrundfunks wurde im Übernahmevertrag mit dem Insolvenzverwalter vereinbart, dass es ein Jahr lang keine betriebsbedingten Kündigungen geben solle und die Beschäftigten dafür auch samstags häufiger arbeiten müssten. Die IG Metall erklärte allerdings, dass nach ihren Informationen von den zuletzt rund 650 festen Arbeitsplätzen in Deutschland nur rund 500 erhalten bleiben sollen. Nach Zeitungsberichten soll den Mitarbeitern die Aufnahme in eine „Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft“ angeboten worden sein, von der BBS aber wiederum nur 480 Festangestellte übernehmen wolle. Geschäftsführer der Firma waren nun Wim Deblauwe, Guido Lieven P. Dumarey und Wald Westerlinck. Am 29. August 2008 kündigte Westerlinck an, dass das Schiltacher Stammwerk voraussichtlich 2011 geschlossen und die Produktion bis dahin an den Standort Herbolzheim verlagert werde.
Die bisher in Schiltach beschäftigten 320 Mitarbeiter könnten dort weiterarbeiten, dazu würden in Herbolzheim rund 25 Millionen Euro zur Erweiterung der Produktion investiert. Die Gesamtzahl der Beschäftigten bleibe bei rund 480.[3] Im Juli 2009 trennte sich die Holding Punch International „wegen der Auswirkungen der Finanzkrise“ von großen Teilen ihrer Automotive-Sparte und verkaufte die BBS GmbH an den Punch-Mehrheitsaktionär Creacorp NV. Die Markenrechte blieben jedoch bei Punch, die dafür Lizenzgebühren erhält. Gleichzeitig übernahm Punch-Vorstandsvorsitzender Dumarey die Verantwortungen für die Schieflage der Holding und trat von seinem Posten zurück, weil er den Einstieg in die Automotive-Sparte aus persönlichen Gründen und zum falschen Zeitpunkt vorangetrieben habe.[4] Er behielt jedoch auch unter dem neuen Eigentümer die BBS-Geschäftsführung, Wald Westerlinck wurde dagegen im August 2009 im Handelsregister Stuttgart als Geschäftsführer ausgetragen.
BBS Holding SA [Bearbeiten]
Im Juli 2009 errichtete der neue Eigentümer Creacorp eine zentrale Holding für die BBS-Standorte Schiltach und Herbolzheim sowie für das BBS-Verkaufsbüro in den den USA. Die Société Anonyme (Aktiengesellschaft nach belgischem Recht) wird von Ghislain Van Cutsem geführt und hat ihren Sitz in Braine-l’Alleud. Dort werden zentral der gesamte Einkauf und zusätzlich der Verkauf von BBS-Produkten außerhalb von Deutschland und den USA verwaltet.

BBS International GmbH
Unternehmensform: GmbH
ISIN: DE0005196232
Gründung: 1970
Unternehmenssitz: Schiltach
Unternehmensleitung:
Wim Deblauwe, Guido Lieven P. Dumarey
Mitarbeiter: 480 (2009)
Umsatz: 163 Mio. Euro (2006)
Branche: Automobil
Website: http://www.bbs.com
 

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