20. Februar 2009

20. Februar 2009 - Gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung.

BBS kappt 150 Stellen

Muttergesellschaft will den Felgenhersteller nach Umsatzeinbruch drastisch verkleinern.

FREIBURG. Beim Felgenhersteller BBS soll ein Drittel der Belegschaft gehen. Das teilte die belgische Muttergesellschaft Punch gestern mit. Als Grund wird ein Umsatzeinbruch von 40 Prozent genannt. Die IG Metall will das nicht hinnehmen.

Der Ruhm nutzt BBS nichts. Dass Motorsportfans BBS-Felgen lieben, dass Ferrari in der Formel 1 Weltmeistertitel auf BBS-Felgen errang – in geschäftlichen Erfolg kann das die Firma, die in Schiltach und Herbolzheim Werke besitzt, nicht ummünzen. Konnte man hoffen, dass es nach der Insolvenz 2007 mit der neuen Muttergesellschaft Punch wieder aufwärts gehen würde, macht die Absatzkrise der Automobilindustrie nun einen Strich durch diese Rechnung.
Um 40 Prozent sei der Umsatz eingebrochen, teilte Punch gestern mit, seit Mitte November werde kurzgearbeitet. Offenbar erwartet Punch aber keine grundsätzliche Besserung der Situation. Bis zu 150 der rund 450 Mitarbeiter müssten im Laufe des Jahres 2009 gehen, heißt es in einer Mitteilung. Mehr will die Geschäftsleitung erst sagen, wenn die Verhandlungen mit Betriebsrat und Gewerkschaft abgeschlossen sind.

IG-Metall-Vertreter Uwe Wallbrecher ist über die Pläne verärgert. "Da wird sehr voreilig gehandelt", sagte er. "Mit Kurzarbeit null könnte man das Unternehmen zwölf Monate über Wasser halten und abwarten, bis der Markt sich normalisiert", sagte er. Bei Kurzarbeit null arbeiten die Beschäftigten nicht, sie bleiben aber im Arbeitsverhältnis. Punch wolle sich mit solchen Ideen aber nicht auseinandersetzen, sondern beharre auf dem drastischen Personalschnitt, obwohl Kurzarbeit das Unternehmen nicht mehr kosten würde, sagte Wallbrecher.
Im August 2008 hatte der Konzern angekündigt, das Werk in Schiltach bis 2011 zu schließen und die Produktion komplett nach Herbolzheim zu verlagern. Dafür sollten laut Punch 25 Millionen Euro investiert werden. Alle Mitarbeiter, so hieß es damals, würden mitgenommen.

BBS musste Anfang 2007 wegen Überschuldung Insolvenz anmelden. In den beiden Jahren zuvor schrieb das Unternehmen rote Zahlen. Zum Zeitpunkt der Insolvenz beschäftigte BBS 830 Mitarbeiter. Im August 2007 übernahm die belgische Punch-Gruppe den Felgenhersteller. Bei der Übernahme hatte Punch-Chef Guy Dumarey gesagt, BBS werde das Massengeschäft aufgeben und sich auf Felgen für Oberklasse-Fahrzeuge konzentrieren, wo BBS als weltweit führend gilt. Durch den Verzicht auf das Massengeschäft brach der Umsatz ein. Für fünf Monate 2007 beziffert Punch den BBS-Umsatz mit 38 Millionen Euro, für die ersten drei Quartale 2008 mit 68 Millionen Euro. Zum Gewinn ist nichts bekannt.  

 

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