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Michael Schumacher im Einsatz – auf BBS-Felgen.- Foto: BBS
02.03.2007, 16:01:55 Uhr
AUS DER NRWZ ZUM WOCHENENDE Nach Insolvenzantrag herrscht beim Felgenhersteller BBS wieder gedämpfter Optimismus
Aus der Kurve getragen
Von Thomas Weilacher
Rottweil "Michael Schumacher hat seine Weltmeister-Titel auf Felgen von BBS eingefahren. Seit 30 Jahren schon rollen die Räder des renommierten Herstellers aus dem Schwarzwald auf allen Rennstrecken der Welt von Erfolg zu Erfolg. Auch namhafte Automobilhersteller wie Daimler-Chrysler, Volvo, Volkswagen, Seat, Porsche, Ferrari und Maserati vertrauen auf Technik und Optik von BBS. Doch das Unternehmen mit Sitz in Schiltach ist aus der Kurve geflogen.
Anfang Februar musste die Geschäftsführung den Insolvenzantrag stellen. Grund: Zahlungsunfähigkeit. Mit Rechtsanwalt Dr. Jobst Wellensiek aus Heidelberg wurde jetzt ein Insolvenzverwalter gefunden, der "zusammen mit einer hoch motivierten Belegschaft "die "Karre"wieder flott machen will.
Für Branchenkenner kam die Nachricht nicht ganz überraschend. BBS hatte für 2006 einen Umsatz von rund 200 Millionen Euro angepeilt "musste jedoch bereits im ersten Halbjahr einen Fehlbetrag von 3,8 Millionen Euro ausweisen. Schon Monate vor Bekanntwerden der Zahlungsschwierigkeiten soll sich BBS um einen Investor bemüht haben.
Nach Angaben aus Branchenkreisen seien die Interessenten jedoch unter anderem wegen der Kostenstruktur wieder abgesprungen. Mitte Januar dann die Hiobsbotschaft: Der Konzernjahresfehlbetrag 2006 wird wohl über den einstelligen Millionenbereich hinausgehen. Nach dieser Ad-hoc-Mitteilung der Aktiengesellschaft läuteten nicht nur bei den Anlegern sämtliche Alarmglocken.
Unter Hochdruck suchten Geschäftsführung, Banken und Großkunden nach einer Lösung "die sogar greifbar nahe schien. Doch dann sperrte eine der beteiligten Banken, die Auffanglösung war gescheitert, eine Insolvenz nicht mehr abzuwenden. Selbst der erst am 15. Januar 2007 gewählte, neue Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Walter Döring "ehemaliger Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg "konnte nicht mehr helfen. Er musste sich vielmehr die Kritik anhören, ausgerechnet in der kritischen Phase der Verhandlungen Urlaub in Vietnam gemacht zu haben.
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hat die Schuldigen schnell ausgemacht. Sprecher Rainer Schad, langjähriger Beobachter der Hauptversammlungen der Firma BBS: "Banken und Mitarbeiter sind nicht schuld."Die von der Unternehmensführung angeführten rein externen Gründe, also zum Beispiel rasant steigende Kosten für den Rohstoff Aluminium und Energie, lässt der Anlegervertreter nicht gelten. "Andere Betriebe haben mit den selben Problemen zu kämpfen", bei BBS seien diese zum Teil "hausgemacht", weil die Firmenleitung "nicht in der gewünschten Form"auf Veränderungen reagiert und wichtige Entwicklungen verpasst habe. Denn die Qualität der Produkte ist wohl über jeden Zweifel erhaben, "die Marke BBS verkauft sich fast von alleine."
Tatsächlich genießt der Schiltacher Felgenhersteller als Technologieführer weltweit einen hervorragenden Ruf. Die Produkte gelten als innovativ, technisch ausgereift und ausgesprochen zuverlässig. Aus diesem guten Markenimage schöpfen Insolvenzverwalter Jobst Wellensiek und die 1200 Mitarbeiter "davon 750 an den Standorten Schiltach und Herbolzheim "die Hoffnung, dass doch noch nicht alles verloren ist. Die Produktion läuft unvermindert weiter, die Belegschaft verhalte sich "supertop". Zunächst muss sich der Heidelberger Rechtsanwalt einen Einblick in die wirtschaftlichen Daten und Fakten verschaffen, um über personelle und strukturelle Veränderungen entscheiden zu können. Alle Beteiligten sind sich indes einig, dass der Betrieb erhalten werden soll "das Unternehmen sei "positiv arbeitsfähig". Insolvenzverwalter Wellensiek sieht gute Aussichten, beide Werke des Unternehmens zu erhalten. Tatsächlich stehen die Zeichen für einen Fortbestand nicht schlecht: Innovationen sind vorhanden, ein fester Kundenstamm sichert die Abnahme der Räder. Lediglich die finanzielle Basis von BBS war zuletzt nicht mehr tragfähig "noch 2004 hatte die AG einen Gewinn von mehr als zwei Millionen Euro ausgewiesen.
Nicht immer war BBS vom Erfolg verwöhnt, im Jahr 2002 musste das Unternehmen bereits einen hohen Fehlbetrag ausweisen. Doch die Geschichte des Felgenherstellers ist im Grunde eine Erfolgsstory. 1970 gründen Heinrich Baumgartner und Klaus Brand in der Flößerstadt Schiltach eine kleine Produktionsstätte für Karosserieteile aus Kunststoff. Die Initialen der beiden Gründer sowie des Ortes ergeben den Firmennamen BBS. 1972 läuft die Produktion einer dreiteiligen Rennfelge an "die neue Technologie setzt sich binnen weniger Jahre als Garant für Erfolge im Motorsport durch. Aus der kleinen Ideenschmiede der beiden Autonarren entwickelt sich ein Produktionsunternehmen von Weltruf.
Mit der Gründung der ersten ausländischen Tochterfirma in Frankreich beginnt 1972 die Internationalisierung. 1983 gelingt es, die Herstellung der dreiteiligen Rennfelge serientauglich für den Straßenbetrieb zu perfektionieren "das Rad findet reißenden Absatz und löst einen wahren Boom aus. Im Motorsport feiert BBS 1994 die bis dahin größten Erfolge mit Siegen in der Formel-1, der Indy-Car Serie, der DTM und beim ADAC Tourenwagen Cup. 1998 rüstet das Unternehmen in der Formel 1 fünf Teams mit zwölf Fahrzeugen aus. Auch zu Beginn des neuen Jahrtausends fährt BBS weiter in der Erfolgsspur, die gute wirtschaftliche Entwicklung lässt sich am Neubau eines Logistikzentrums in Herbolzheim ablesen. Innovative Entwicklungen wie die Hohlkammer-Technologie tragen zur Gewichtsreduzierung bei und erhöhen die Festigkeit der Räder.
Die Zeichen standen lange Zeit auf Erfolg "bis zum Absturz Anfang dieses Jahres. Jetzt wollen die Mitarbeiter gemeinsam mit Insolvenzverwalter Jobst Wellensiek an der Erfolgsgeschichte weiter schreiben. Doch anders als im Märchen ist das gute Ende nicht vorprogrammiert. Gewerkschaftssekretär Uwe Wallbrecher ist dennoch optimistisch, dass BBS überleben wird. Natürlich könne man nicht ausschließen, "dass Personal betroffen ist". Aber die Stammbelegschaft, so der IG-Metall-Sekretär, kann nach seiner Einschätzung weitestgehend erhalten bleiben.
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